Die erste öffentliche Grünanlage (ÖG 7) in Neufreimann ist eröffnet. Sie bietet ein vielfältiges Angebot für Klein und Groß zum Spielen, Entdecken und Erholen. Insgesamt 10 öffentliche Grünflächen werden künftig über einen Hauptweg verbunden sein und ein einzigartiges Gefüge aus Quartiersleben und Naherholung bieten.
Ort
Neufreimann (ehem. Bayernkaserne) , München
Auftraggeber:in
Landeshauptstadt München
Zeitraum
2022-2026
Baukosten
2.8 Mio
Fläche
35000 m²
Leistungsphasen
LPH 1-9
Bildmaterial
EGL

Die erste Grünanlage in Neufreimann, der ehemaligen Bayernkaserne im Münchner Norden, ist eröffnet. Das gesamte Quartier entwickelt sich zügig, so dass die Nachfrage nach ersten Spielräumen und Erholungsflächen nun mit der Öffentlichen Grünanlage Ost am Helene-Wessel-Bogen für Bewohner und Besucher gedeckt werden kann. Die Anlage ist insgesamt ca. 35.000 m² groß und bietet einen großen Spielplatz, einen Jugendsportbereich, einen Kinderspielplatz mit Wasserspiel, einen kleinen Treffpunkt im Norden sowie Rückzugsorte und eine lebendige Topografie im Süden.
Das Gelände war in seinem Ursprungszustand überwiegend eben. Aufgrund ihrer historischen Nutzung als Militärkaserne wurde eine Kampfmittelfreimessung durchgeführt und einige Bestandsbäume mussten gerodet werden. Als Ersatz sind ca. 250 Bäume auf dem gesamten Gelände gepflanzt worden.
Abenteuerspielplatz
Kinder zwischen 6-12 Jahren finden hier ein großes Angebot um zu Toben und sich Auszuprobieren. Die Umrandung des Rieselspielbereiches aus gelbem Farbasphalt bildet den Rahmen für den Abenteuerspielplatz und bietet gleichzeitig Raum, um mit Roller, Laufrad und Co. zu flitzen. Der hier anschließende und quer durch den Spielbereich verlaufende Weg aus blauem Kunststoffbelag schafft eine zusätzliche barrierefreie Wegeverbindung zu allen Spielgeräten. Ortsprägende Elemente des gesamten Parks sind die bis zu 13 m hohen Spieltürme. Die miteinander verbundenen pyramidalen Klettertürme können durch unterschiedliche Aufstiege erklommen werden. Über die drei Rutschen gelangt man auf kurzem Weg wieder in die unterste Ebene des Spielbereiches. Die Drehscheibe und der Wippring lassen einen die Regeln der Schwerkraft im Eigenversuch erfahren. Ob gemeinsames Schaukeln an der Dreier-Schlauchsitzschaukel und der Partnersitzschaukel oder Wettschaukeln an der Riesenschaukel, hier bleiben keine Wünsche offen. Falls man nach einem anstrengenden Wettkampf eine kurze Pause braucht, kann man sich in den Hängematten oder auf den Holzliegeelementen ausruhen. Die unmittelbar anschließenden Picknickgruppen bieten Raum sich in der Gruppe zu treffen und auszutauschen. Erhöhte Bauminseln mit Bodendeckern schaffen den Rahmen für Solitärpflanzungen, die nach Erreichen der Endwuchshöhe viel wertvollen Schatten spenden. Auch der Bereich der Picknickgruppen und der Liegeelemente wird von Bäumen überstanden. An besonders heißen Tagen bringen die beiden Wasserstelen mit ihrem Wasserschleier auf Knopfdruck eine extra Portion Erfrischung.






„Die größte Freude bereitet es uns zu sehen wie gut der neue Park angenommen wird“
Olga Winnik, Landschaftsarchitektin der EGL

Jugendspielbereich
Der Spiel- und Sportbereich für Jugendliche und Erwachsene wurde robust und langlebig konzipiert. Das mit Kunstrasen belegte Minifußballfeld bietet ganzjährig die Möglichkeit Fußball zu spielen. Eine umlaufende Bande mit Ballfangnetz gewährleistet, dass die umliegenden Nutzungen nicht durch herumfliegende Bälle beeinträchtigt werden. An der Parcouranlage können Kraft und Agilität ausgebaut werden, Gleichgewicht und Körperspannung werden an der Slacklineanlage trainiert. Die großzügige Asphaltfläche stellt einen Raum für vielfältige Nutzungen zur Verfügung. Hier finden sich zwei Tischtennisplatten und ein Streetballkorb. Ein zentral platzierter als Wetterunterstand und Aufenthaltsraum umgebauter Schiffscontainer dient als Treffpunkt, von wo aus die umliegenden Aktivitäten verfolgt werden können. Von den am Spielfeldrand platzierten Sitzbänken am Fuße des Aktivhügels kann das Treiben auf dem Jugendspielplatz beobachtet werden. Der gesamte Jugendspielbereich ist beleuchtet und ist dadurch auch in den Abendstunden nutzbar.






Kinderspielplatz
Der Kinderspielplatz bietet etwas abgerückt vom Trubel des Abenteuerspielplatzes und des Jugendspielbereiches einen geschützten Bereich entlang des Nebenweges. Hier können kleine Entdecker das Spielhaus auf unterschiedliche Arten erklimmen, ihre Baukünste an der Sandbaustelle ausprobieren, an den Schaukeln entspannen oder an den Wasserspielgeräten nach Herzenslust plantschen und matschen. Herzstück dieses Spielbereiches ist die Pyramide aus Betonblöcken, an deren Hochpunkt die Wasserwippe platziert ist. Zwei sich staffelnde Rinnenabwicklungen befördern das Wasser zu einem Matschtisch bzw. zu einem Schaufelrad der tieferliegenden Ebene. In der Höhe unterschiedlich angeordnete Betonschalen sind durch die umgebende Betonpflasterfläche auch für Rollstuhlfahrer benutzbar. Der benachbarte Matschtisch mit Kurbelpumpe ergänzt das barrierefreie Wasserspielangebot. Inseln, welche mit Rasen bzw. Kunststoffbelag belegt sind und in den Spielplatz wie Schollen hineinragen, schaffen den Rahmen für Baumpflanzungen. Sie schieben sich von den Rändern her nach innen in den Sandspielbereich, wodurch die Bäume in ausgewachsenem Zustand viel kühlenden Schatten auf den Spielbereich werfen. Auf den in Reihe angeordneten höhengestaffelten Betonblöcken kann man von Insel zu Insel hüpfen und auf den Wackelschafen am Wegesrand lassen sich in Ruhe die nächsten Abenteuer besprechen.






„Wo Wohnraum entsteht wird auch Erholungsraum benötigt.
Ein Besuch der ÖG7 zu jeder Tageszeit bestätigt das eindrücklich.“
Elisabeth Göth, Landschaftsarchitektin der EGL

Aktivhügel, Boulespiel, Aufenthaltsinsel
Im östlichen Bereich der Grünanlage befindet sich der ca. 7 m hohe Aktivhügel. Wenn man ihn über die flachen Ausläufer oder aber auch über die steilen Hügelflanken erreicht hat, bietet er eine einzigartige Aussicht über den kompletten Park. Im Winter kann er mit dem Schlitten, im Sommer mit dem Mountainbike befahren werden.
In unmittelbarer Nähe zum Nordeingang des Parks befindet sich ein von Bäumen überstandener Treffpunkt, welcher mit Sitzmöglichkeiten, einer Bouleanlage und zwei Tischtennisplatten ausgestattet ist. Folgt man dem hier anschließenden Nebenweg weiter Richtung Osten, erreicht man einen weiteren Treffpunkt. Inmitten einer Magerwiese gelegen, bieten Holzliegen und Picknickgruppen Raum zu Verweilen.






Topografie und Wege
Ein Netz aus unterschiedlich gestalteten Wegen gibt der Anlage Struktur und die Möglichkeit sie auf verschiedenste Weisen zu erleben. Die Wegehierarchie gliedert sich in einen Hauptweg aus Asphalt, einen Nebenweg aus wassergebundener Wegedecke und Trampelpfaden, welche nur lose durch Holzhäcksel befestigt werden.
Der asphaltierte Hauptweg mit 4 m Breite führt von Süd-Westen nach Norden quer durch die Grünanlage. Alle künftigen Grünanlagen im Stadtquartier Neufreimann werden mit einem gleich ausgestalteten Hauptweg erschlossen werden. Er dient somit nicht nur der Erschließung, sondern auch als wichtiges wiederkehrendes Gestaltungselement. Auf direktem Weg können auf diesem Weg die zentralen Elemente der öffentlichen Grünanlage erreicht werden.
Der Nebenweg aus wassergebundener Wegedecke verläuft unter dem Baumhain, der den Park entlang der Außengrenzen rahmt. Der Hauptweg wird zwei Mal gekreuzt. Ansonsten spaziert man hier fernab vom regen Treiben des Parks unter dem Blätterdach der Bäume und erlebt unterschiedlichste Ausblicke in die Parkanlage.
Die Wege aus loser Holzhäckselschüttung dienen der Erschließung der waldähnlichen Randbereiche. Unter dichtem Baumbestand lädt dieser Weg zur Erkundung und Aneignung der uneinsehbaren Parkbereiche ein. Ein kontrastierendes Raumerlebnis im geschlossenen Baumbestand entsteht im Gegensatz zu den weit einsehbaren Spiel- und Wiesenflächen.
Neben dem 7 m hohen Aktivhügel sind im Süden, Süd-Westen und Süd-Osten weitere Geländemodellierungen ausgeführt. Sie bilden einen wichtigen Kontrast zum übrigen ansonsten flach gestalteten Parkteil. Mit den Aufhügelungen im Süden wurde zugleich ein Habitat für Wildbienen geschaffen.






Vegetation
Die Grünanlage wird durch einen waldartigen Baumhain an den Rändern gefasst. Unterpflanzt werden die Bäume mit einer Saatgutmischung aus 50% Blumen und 50% Gräsern. Die sich hier entwickelnde geschlossene Pflanzdecke verstärkt den Waldcharakter. Zur Mitte des Parks hin werden die Baumpflanzungen vereinzelter, freie Liege- und Spielwiesen entstehen. Einzelne Bestandsbäume konnten im westlichen Parkbereich erhalten werden.
Insgesamt wurden 250 Bäume der Wuchsklasse I und II gepflanzt. Als Leitbaumarten wurden u.a. Stieleichen, Roteichen, Waldkiefern, Bergahorn und Spitzahorn gewählt. Insgesamt bieten 16 unterschiedliche Baumarten eine breite Palette an Wuchs- und Blattformen ab.
Die Nebenwege werden abschnittsweise von Stauden- und Gräserpflanzungen begleitet, was den parkartigen Charakter dieser Teilbereiche unterstreicht.





